Bürgeraktion Baumschutz Krefeld

Gesprächsnotiz


Gespräch am 11.9.2001 im Grünflächenamt der Stadt Krefeld

Thema: Teichsanierung zur Euroga 2002+ unter Berücksichtigung der Ökologie und des gefundenen Amphibienaufkommens

Anwesend: Herr Visser Grünflächenamt, Herr Thies Untere Landschaftsbehörde, Herr Heidtmann MUNLV, Frau Schwertfeger MUNLV, Herr Geiger LÖBF, Herr Hansmann Bezirksregierung Düsseldorf - Obere Landschaftsbehörde, Frau Steffens BBK, Herr Rinne BBK

Gesprächsführung: Herr Heidtmann

Herr Heidtmann, Frau Schwertfeger und Herr Geiger kamen zu dem Termin von einer Ortsbesichtigung des Greiffenhorstparks.

Herr Heidtmann sprach die allgemeine Situation an und bat darum, dass alle anwesenden Parteien Ihre jeweiligen Standpunkte noch mal darbringen sollten. Er wies darauf hin, dass in diesem Bereich zwei Faktoren zusammenkommen - Euroga und Landesgartenschau.

Herr Thies erläuterte für die Stadt Krefeld das überarbeitete Konzept. Herr Visser ergänzte, dass auf Grund einer neu erteilten Abpumpgenehmigung für die Stadtwerke Krefeld, in den kommenden Jahren per anno ca. 4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gefördert werden. Dies wird zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führen.

Die Bürgeraktion wies zunächst darauf hin, dass nur der westliche Teil strittig ist. Es wurde noch mal auf die aus dem Mühlenbach anfallende Erosion hingewiesen, die sich im westlichsten Teil des Gewässers ablagert und dort zu einer extremen Verlandung führt. Der darauf folgende, für das Kammmolchaufkommen wichtigste Teil sich zur Zeit als klares Gewässer mit optimaler Bepflanzung darstellt. Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass augenscheinlich in diesem Bereich eine Abdichtung des Gewässers durch Bodensatz gegeben ist.

Herr Geiger erläuterte für die LÖBF, die biologischen Anforderungen der Amphibien:

Unstrittig ist, dass in diesem Bereich das, bis dato unbekannte, größte, jetzt dokumentierte Kammmolchaufkommen in Europa ist.

Der Habitatsbereich der Amphibien dehnt sich als alter Rheinarm über den Bereich vom Latumer Bruch, das Wasserwerk "In der Elt", den Greifenhorstpark bis zum Linner Burggraben aus und ist als einheitlicher Verbund zu sehen.

Der Kammmolch ist eine Amphibie die stärker und länger im Wasser lebt und jagt als andere Amphibien (ca. Ende Januar bis Mitte September). Er verlässt das Wasser nur für die Wintermonate.

Mitte Oktober buddelt sich der Wasserfrosch in den Uferschlamm ein. Es bleibt für restaurierungs- Arbeiten also nur ein Fenster von Mitte September bis Mitte Oktober.

Der Kammmolch ist ein eher träges Wandertier, dass nur zu bestimmten Zeiten Strecken unter 800 m zurücklegen kann aber eine starke Affinität zu seinem Laichgewässer hat.

Da der Kammmolch ein Lebendfleischfresser ist nimmt er auch keine Rücksicht auf eigene Brut. Er überlistet sich in der Eiablage dadurch selber, dass er einzelne Eier unter Blättern ablegt und diese Blätter dann zusammen klebt. Dadurch wird das Auffinden erschwert und die Fressgefahr gebannt.

Kammmolche und andere Amphibien können einen Ausfall durch Trockenheit und andere Umstände von mehreren Jahren ausgleichen, allerdings kommt es in diesen Jahren zu keiner Fortpflanzung.

Für eine langfristige Sicherung des Habitatraums ist es wichtig auch im Westlichen Teil, explizit für den Kammmolch, eine möglichst langfristige Wasserbespannung zu gewährleisten. Daher muss auch der westliche Teil unter Berücksichtigung der fallenden Grundwasserstände langfristig mit einer Abdichtung versehen werden.

Durch die Entnahme von Bodensatz wird ein Teil der Nahrungsgrundlage, Klein- und Kleinstlebewesen, der Amphibien vernichtet. Da im Sinne der Artenschützer vorwiegend auf langfristigen Artenerhalt zu achten ist, sieht dieser das Zufüttern im Gegensatz zum Tierschützer als nicht wichtig an, da die Natur immer Bestandsschwankungen unterliegt. Durch ein aktives Monitorring kann aber Extremschwankungen vorgebeugt werden.

Fazit von Herrn Geiger:
Es gibt keine belegte Umsiedlungsmaßnahme und keine Forschung über das Verhalten von Kammmolchen in Extremsituationen. Daher werden wir uns in jedem Falle auf Neuland begeben. Durch ein möglichst schnelles Wiederherstellen und einen einmaligen Eingriff in das Lebensumfeld der Amphibien müssten die Stresssituationen für die Tiere möglichst kleingehalten werden. Alle Maßnahmen müssten von einem aktiven Monitorring begleitet werden um einen annähernd gleichbleibenden Bestand zu gewährleisten.

Für die Ausführung kam man wie folgt über ein:

Im östlichen Teil werden 4 Vertiefungen ohne Tonschicht für eine möglichst lange Wasserbespannung eingebracht. Der südlich des Parks gelegene Acker wird im ersten Schritt in einem 20 m breiten Streifen bepflanzt (Rückzugsmöglichkeit für Amphibien) und in den Park einbezogen. Langfristig wird das Ackergelände einer extensiven Nutzung zugeführt. Im Bereich des Ölvebaches soll es zu Wasserregulierungen durch Dämme und Wehre kommen. Z.B. Wasserüberhänge aus dem Wasserwerk können so dem Teichverbund zugeführt werden.

Da im Mittleren Teil bereits im letzten Winter mit den Arbeiten begonnen wurde, müssen diese natürlich zu Ende geführt werden. Es sollen hier aber ausreichende Ufer- und Flachwasserbepflanzungen vorgenommen werden. In diesem Bereich kommt es zur einzigen Wegführungsänderung im Greiffenhorstpark. Im östlich des Schlosses gelegen Teils wird ein Uferweg am nördlichen Ufer, analog zur westlichen Seite entlanggeführt.

Der westliche Teil wird in der Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober 2001 abschnittweise unter nachträglicher Wiedereinbringung der ursprünglichen Bepflanzung und des ursprünglichen Sedimentes saniert. Die Entnahme, Lagerung und Wiedereinbringung erfolgt unter äußerster Sorgfalt. Der gesamte Prozess wird überwacht (Stadt, BBK und LöBF), um einen möglichst risikofreien Ablauf zu gewährleisten. Herr Heitmann vom MUNLV steht für kritische Sitiationen bereit. Nach Beendigung der Arbeiten setzt ein aktives Monitorring zum Bestandsschutz der Amphibien ein.

Herr Visser verpflichtete sich die BBK vor jedem Arbeitsschritt zu unterrichten, gegebenenfalls auch durch Ortsbesichtigungen. Herr Heidtmann vom MUNLV wies darauf hin das Lokalpolitiker nicht mehr über beschlossenen Ausführungsplanungen und deren Umsetzung entscheiden können, diese daher nicht mehr veränderbar sind.

Elke Steffens
P. Cornelius Rinne


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